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 Wissenschaft
06.05.2008

Papageien am Neckarstrand

Halsbandsittiche breiten sich in Heidelberg immer mehr aus

Sie tummeln sich zu Hunderten im Neuenheimer Feld und am Neckar: Leuchtend grüne Papageien sitzen in den Bäumen und verbreiten mit ihrem lauten Gekreische einen Hauch von Exotik in der Kurpfalz.

Sie tummeln sich zu Hunderten im Neuenheimer Feld und am Neckar: Leuchtend grüne Papageien sitzen in den Bäumen und verbreiten mit ihrem lauten Gekreische einen Hauch von Exotik in der Kurpfalz.

Diese wildlebenden Vögel sind Halsbandsittiche (Psittacula krameri) und haben sich nach milden Wintern in Deutschland kräftig vermehrt. Mehr als 700 der grünen Papageien flattern allein im Heidelberger Stadtraum umher; über 2900 sind es bereits im gesamten Rhein-Neckar-Gebiet. Nur in Wiesbaden und Köln gibt es ähnlich große Anhäufungen dieser „Neozoen“, wie die Wissenschaft die heimisch gewordenen Exoten nennt. Aber woher stammen die Vögel, und warum fühlen sie sich hier so wohl?

„Unsere Halsbandsittiche kommen ursprünglich aus Indien“, sagt der Biologe Michael Braun über die Vögel, die eigentlich in Asien und Afrika zu Hause sind. Er erforscht in seiner Doktorarbeit die genetischen Verwandtschaftsbeziehungen von Papageien und hat sich ausführlich mit der Brutbiologie der Halsbandsittiche beschäftigt. Die Heidelberger Population entstand in den 1970er Jahren aus wenigen entflogenen Käfigexemplaren. 1990 brütete das erste Pärchen im Heidelberger Stadtgebiet.

Auch Papageien brüten im Studentenwohnheim

„Anhand genetischer Vaterschaftstests untersuche ich, ob sich die Vögel über mehrere Jahre treu sind“, erklärt der Sittich-Experte. Normalerweise brüten die Tiere in Baum- und Spechthöhlen. Besonders in Heidelberg durchnagen die Vögel aber die Wärmedämmungen von Hausfassaden, um sich ihre Bruthöhle zu bauen – zum Leidwesen der Hausbesitzer. Michael Braun versucht die Schäden an den Hausfassaden durch dort angebrachte Nistkästen zu vermindern. Außerdem kann er so das Brutverhalten der Papageien besser studieren.

Besonders gut funktioniert das in den Kästen an den Studentenwohnheimen im Neuenheimer Feld. Dort brüteten in diesem Frühjahr 16 Papageienpärchen. Halsbandsittiche sind sehr soziale und clevere Vögel. Papageien am Neckarstrand Unter lautem Gezeter versammeln sich abends mehrere hundert Tiere auf einem „Schlafbaum“. Diese finden sich am Neckar, am Römerkreis oder der Autobahnauffahrt in Bergheim. Morgens fliegen sie in Kleingruppen zu ihren Futterplätzen in Parks oder Gärten, wo sie sich bevorzugt auf Platanen niederlassen.

Nur die lauten Stimmen der Exoten stören

Die Vögel ernähren sich vor allem von Früchten, Blüten und Blättern. Manchmal plündern sie dabei in Schwärmen ganze Bäume und Gärten. Einen Schaden für die heimische Tierwelt durch Verdrängung oder Konkurrenz um Nahrung besteht laut Braun nicht. Die einzigen natürlichen Feinde seien Greifvögel oder auch mal „der Tiger im Zoo“. Am meisten leiden die Papageien unter strengen Wintern, in denen sie sich die Füße abfrieren und sich der Bestand regelmäßig dezimiert.

„Wer sie einmal bemerkt hat, dem fallen sie überall direkt auf“, meint Michael Braun. Er glaubt, dass die Anzahl der grünen Papageien in Heidelberg weiter stark steigen wird. Seine Sittich-Exkursionen stoßen immer auf reges Interesse. Die meisten Heidelberger mögen die exotischen Vögel. Nur ihre lauten Stimmen stören manche. Aber zum Glück unterscheiden sich die wildlebenden Halsbandsittiche von Zoo- und Hauspapageien: Sie können nicht sprechen.

von Christian Graf
   

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