06.05.2008
Erfolgreiche Idee des Zufalls
Dennis Buchmann über sein Zeitschriftenprojekt "Humanglobaler Zufall"
Vom Praktikantenschemel ging es direkt auf den Chefredakteurssessel: Für Dennis Buchmann, Diplom-Biologe und Absolvent der Deutschen Journalisten-Schule, ging ein langersehnter Traum in Erfüllung.
Vom Praktikantenschemel auf den Chefsessel: Für Dennis Buchmann, Diplom-Biologe und Absolvent der Deutschen Journalisten-Schule, ging ein Traum in Erfüllung. Er durfte sein eigenes mediales Konzept umsetzen, gefördert durch den SCOOP!-Award der Axel-Springer-Akademie. Der Ideenwettbewerb fördert die Realisierung eines Projektes, ob Print, Video, Audio oder Internet. Humanglobaler Zufall, das Zeitschriften-Baby von Buchmann, ist nun am Kiosk erhältlich.
ruprecht: Herr Buchmann, wie sind Sie auf die Idee zu dem Heft gekommen?
Dennis Buchmann: Ich habe zufällig die Anzeige des Wettbewerbs gelesen. Da es nur um die „nackte Idee“ ging, habe ich diese auf einer DinA4-Seite aufgeschrieben und eingeschickt und schon war ich im Rennen. Die Idee entstand auf einer Reise in Mittelamerika. Dabei fiel mir auf, wie viele Menschen man zufällig irgendwo kennen lernt und später an ganz anderen Ecken wieder trifft. Aus diesen Erfahrungen habe ich dann das Heft geschmiedet.
Wie läuft so eine Recherche?
Ich frage den Protagonisten als erstes, wen er in aller Welt kennt, der die Nachfolge-Geschichte erzählen könnte. Denn der wichtigste Punkt ist, dass sich der rote Faden weiterspinnt. Bis jetzt hat sich meine These bestätigt, dass kein Mensch eine „Sackgasse“ ist. Alle kannten wiederum jemanden, der interessant genug war, die Geschichte weiter zu erzählen.
Wo liegt der Unterschied zu Internet-Anbietern, die auch mit diesem Phänomen arbeiten?
Im Internet generiert man die Kontakte über „Xing“ oder „Facebook“ weitgehend automatisch. Diese bleiben dabei recht abstrakt. Da die Qualität der Kontakte meist eher mau ist, bleiben sie tendenziell uninteressant. Viele Kontakte sind sich schließlich noch nie begegnet. „Human-globaler Zufall“ setzt weniger auf Quantität als auf Qualität.
Besonderes Augenmerk scheinen Sie auf Fotos zu legen. Warum?
Die Fotos unterstreichen den Reisecharakter und den globalen Aspekt des Hefts. Ohne die vielen schönen Bilder würde die Atmosphäre der einzelnen Orte, etwa in Costa Rica oder Montreal, nicht zur Geltung kommen. Welch ein Gegensatz: Fast zur gleichen Zeit herrscht in Costa Rica tropischer Sonnenschein, während in Montreal ein Schneesturm wütet.
Hatten Sie sich beim Einreichen der Bewerbung überlegt, welchen Leser Sie ansprechen möchten?
Das war eben das Tolle: Man musste sich darum keine Gedanken machen, sondern nur über die Idee. Ich schätze, dass es weltoffene Menschen jeden Alters sind, die
Spaß an tollen Geschichten und Fotos haben.
Was erwartet den Leser in der zweiten Ausgabe?
Die beginnt in New York. Wir planen gerade London, Japan und Paris, vielleicht geht es aber auch nach Brasilien. Der Zufall ist gerade ziemlich zickig. Wir sind dabei, ihn zu bändigen.
Herr Buchmann, vielen Dank für das Gespräch.
von Janine Luth