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 Wissenschaft
03.06.2008

Zärtlichkeit für‘s Grünzeug

Gestreichelte Pflanzen wachsen besser

Dass Pflanzen auf gutes Zureden und zarte Berührungen reagieren, behaupten diejenigen, die einen „grünen Daumen“ haben. Wer dies allerdings als reinen Öko-Hokuspokus abtut, kann sich im Pfaffengrund vom Gegenteil überzeugen lassen. 

Dass Pflanzen auf gutes Zureden und zarte Berührungen reagieren, behaupten gerne diejenigen, die vorgeben einen „grünen Daumen“ zu haben. Wer dies allerdings als reinen Öko-Hokuspokus abtut, kann sich in der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau im Pfaffengrund vom Gegenteil überzeugen lassen. Dort wird erprobt, welche Pflanzenkulturen auf maschinelles Streicheln positiv reagieren.

So kommt es, dass Ute Ruttensperger, Leiterin der Abteilung Versuchswesen für Zierpflanzenbau, ihre Besucher schon mal in das „Streichelhaus“ bittet. In der Gewächshauszelle präsentiert sie neben Petunien auch Tomaten- und Paprika-Pflanzen, die von einer Maschine regelmäßig „gestreichelt“ werden. An einem fahrbaren Gerät sind handelsübliche Wischmopptücher befestigt.

Diese gleiten über die Pflanzen hinweg und berühren sie sanft an den Spitzen. Das Prinzip ist denkbar einfach: "Es ist letztendlich eine Nachahmung der Natur. So wie Pflanzen auf Wind reagieren, reagieren sie auch auf die Berührungen der Wischtücher", erklärt Ruttensperger.

108 Mal am Tag streicheln

Die Pflanzen werden schon im zarten Kindesalter, als Setzlinge, derart bearbeitet. Dadurch lässt sich ein Hemmeffekt im Wachstum von 30 Prozent erreichen, wie sich anhand einer „ungestreichelten“ Kontrollpflanze ablesen lässt. „Die Abstände zwischen zwei Blattansätzen bleiben kürzer. Dadurch wird die Pflanze kompakter im Wuchs und bleibt stabiler. Das ist ein optischer und auch ein ökonomischer Vorteil: Die Pflanzen brauchen weniger Platz“, erzählt Ruttensperger.

So gibt es Pflanzenkulturen wie die Paprika-Pflanze, die 108 Mal am Tag in drei Blöcken gestreichelt wird. Durch die Aufteilung in Blöcke lässt sich eine stärkere Wirkung erzielen: Die Pflanze empfindet auch kurze Zeit nach der Behandlung noch ein „Streichel-Gefühl“.

Noch gezielter streicheln

Die ersten Versuche dieser Art gab es in den 70er Jahren in Amerika. Bis heute ungeklärt ist jedoch, warum die Pflanzen derart auf den Reiz reagieren. „Man müsste herausfinden, was sich in der Pflanze regt. An der Transpiration der Pflanze liegt es nicht: Da stellt man keinen Unterschied fest.

Möglich wäre es, dass die Pflanze durch die Störung in Stress gerät und Hormone ausschüttet“, vermutet die Expertin. Würde man diese Erkenntnis gewinnen, ließe sich das Streicheln noch gezielter einsetzen. Geschwindigkeit, Häufigkeit, Tageszeit – all das wären Dinge, die sich noch optimieren ließen. „Dazu bräuchte man einen jungen Wissenschaftler von der Uni. Eigentlich ein schönes Projekt für eine einfühlsame Dissertation“, schmunzelt Ruttensperger.

von Janine Luth
   

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