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 Feuilleton
01.07.2008

Pimmel, Rotz und Lacher

Shakespeares „Was ihr wollt“ im Stadttheater

Verkleidung und Verwirrung, Liebe und Laster. Mehr Worte braucht es nicht um den Inhalt von Shakespeares „Was ihr wollt“ zu umreißen. Wenige Worte bräuchte es auch, um die Inszenierung am Stadttheater zu beschreiben.

Verkleidung und Verwirrung, Liebe und Laster. Diese vier Worte umreißen den Inhalt von Shakespeares „Was ihr wollt“ eigentlich schon ziemlich genau. Wenige Worte bräuchte es auch, um die Inszenierung des Stücks am Heidelberger Stadttheater durch Hausregisseur Sebastian Schug zu beschreiben. Doch mit „zotiger Zeitvertreib“ ist es vielleicht nicht ganz getan.

Wilde Leidenschaft und böse Streiche

Der Plot ist schnell erzählt: Die schiffbrüchige Viola verkleidet sich als Mann und begibt sich unter dem Namen Cesario an den Hof des Herzogs Orsino. Der Herzog verzehrt sich in wilder Leidenschaft nach der Gräfin Olivia. Diese will aber nichts von dem Adligen wissen. Stattdessen verfällt die Gräfin Hals über Kopf der verkleideten Viola, die sich ihrerseits in Orsino verliebt.

Derweil halten an Olivias Hof ihr versoffener Onkel Sir Toby und seine Kumpanen die Zügel in der Hand und spielen dem egomanen Haushofmeister Malvolio böse Streiche. Das Kammer-Luder Maria und der Narr Feste leisten dabei tatkräftige Mithilfe. So weit, so Shakespeare.

In guter Komödien-Tradition kommt „Was ihr wollt“ mit viel derbem Humor um die Ecke. Die Figuren leisten sich den einen oder anderen amüsanten Schlagabtausch mit Worten oder Degen. Trotz heiterer Umsetzung kann die Inszenierung nicht überzeugen.

Kalauer und Narzissmus

Das Bühnenbild besteht aus einem undurchsichtigen Mix von Bahnhofsromantik und den Überresten einer Kellerparty und wirkt dabei eher unmotiviert als originell. Die Kostüme hätten mehr Applaus verdient, wenn sie nicht wie Violas Verkleidung einfach unerwartet vom Himmel fallen würden oder wie im Falle von Orsino auch einfach mal am Körper behalten werden könnten.

Zudem geht die tragische Komponente durch die in ihrem narzisstischen Wahn überzeichneten Figuren, vor lauter Kalauern und Lachern leider häufig verloren. Amüsement für den Augenblick? Ja. Aber nichts, was bleibt.

von Lisa Grüterich
   

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