01.07.2008
Diskokugel, Kugelhagel
„Kitsch & Crime – Ein Mixtape für Bonnie & Clyde“
Anfangs fühlt man sich wie in einen Dokumentarfilm. Glücklicherweise gestalten den zwei Jungs, die sich selbst nicht allzu ernst nehmen. Doch Alexander Peutz und Michael Klubertanz erzählen die Legende von "Bonnie und Clyde" etwas trocken.
Am Anfang fühlt man sich in einen Dokumentarfilm versetzt, der glücklicherweise von zwei Jungs gestaltet ist, die sich selbst nicht allzu ernst nehmen. Etwas trocken wirkt die Geschichte, die Alexander Peutz und Michael Klubertanz in der Fortsetzung ihres erfolgreichen Liederabends "Kitsch!" erzählen - weit entfernt von der unwiderstehlichen Legende von Bonnie und Clyde.
Aber dann singt Peutz und der Zuschauer brettert plötzlich mit den zwei verliebten Draufgängern in einem stotternden Ford V8 der Polizei davon. All das spielt in einer Zeit, als man noch gute Chancen hatte, nach einem Überfall davon zu kommen. Spätestens beim "Jailhouse Rock" wird klar, warum Peutz‘ Nadelstreifenanzug weit genug geschnitten ist: nämlich für stilsichere Tanzeinlagen.
"Wir gegen den Rest der Welt"
So ganz nimmt man Peutz den Gangster nicht ab, wenn er nach "I‘m bad like Jesse James" sein Lausbubengrinsen aufsetzt: Die Show bleibt eben Show. Doch man kann sich der Kompromisslosigkeit nicht entziehen, mit der Bonnie und Clyde ihr "wir gegen den Rest der Welt" durchgezogen haben. Ob man sie nihilistisch oder asozial nennen will, man fühlt mit ihnen, wenn die rasende Flucht schließlich im Kugelhagel ein Ende findet.
Während Peutz seine vielfältige Stimme fast wie eine Waffe einsetzt, sprechen die raffinierten Medleys und die Vertonung von Bonnies Gedicht "The story of Bonnie & Clyde" für Klubertanz, der sich am Klavier wesentlich dezenter inszeniert.
Mut zum Kitsch
Ein gutes Mixtape sagt viel über den Macher aus. 20 Songs von Blues über Rock'n'Roll bis zu den Foo Fighters erzählen von einer überspringenden Freude am Abstauben der schillernden Perlen populärer Musik und vom Mut zum großen Gefühl, auch wenn das Kitsch heißt. All das mit viel buntem Licht und einer gigantischen Diskokugel inszeniert.
Doch auch wenn Peutz und Klubertanz alle Klischees auskosten, tun sie dies mit einem komplizenhaften Augenzwinkern.
von Johannes Eberenz