ruprecht-Logo Banner
ruprecht auf Facebook
Der aktuelle ruprecht
ruprecht vor 10 Jahren
Andere Studizeitungen
ruprechts Liste von Studierendenzeitungen im deutschsprachigen Raum
ruprecht-RSS
ruprecht-Nachrichten per RSS-Feed
 Hochschule
09.12.2008

VRN will mehr Geld

Semesterticket: Preis soll weiter steigen

Der Vertrag zwischen dem Verkehrsverbund Rhein-Neckar und dem Studentenwerk läuft bald aus. Der Preis für das Semesterticket soll danach wieder drastisch steigen. Bisher verlaufen die Verhandlungen zwischen den Beteiligten erfolglos.

Der laufende Vertrag zwischen Studentenwerk und dem Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) endet mit dem Sommersemester 2009. Danach will der VRN den Preis für das Semesterticket von derzeit 116,30 Euro um rund neun Prozent auf 127 Euro erhöhen.

Zusätzlich fordert der Verkehrsverbund eine Erhöhung des solidarischen Sockelbetrags, den jeder Student mit dem Semesterbeitrag bezahlt. Dieser soll von 20 Euro um etwa zwölf Prozent auf 22,50 Euro steigen. Zukünftig soll das Ticket alle zwei Jahre um bis zu 11 Euro teurer werden.

Einen höheren Sockelbetrag lehnte das Studentenwerk jedoch Ende November einstimmig ab. Man wolle die enormen Preissteigerungen nicht auf den Schultern der Studierenden austragen. Diese seien erst im vergangenen Semester mit einer Erhöhung des Semesterbeitrags belastet worden, argumentiert der Verwaltungsrat. Damit ist nun wieder der VRN am Zug, neue Vorschläge zu erbringen.

Das Unternehmen rechtfertigt die Preiserhöhungen mit steigenden Energie- und Personalkosten sowie Kürzungen des Landeszuschusses. „Das Ticket ist nach wie vor ein defizitäres Geschäft mit einer Gesamtkostendeckung von kaum 50 Prozent“, erklärt Dirk Dietz von der VRN-Tarifabteilung. Die Fachschaftskonferenz (FSK) hingegen hält allenfalls eine Erhöhung analog zum Schüler-Maxx-Ticket für vertretbar. Dies würde lediglich eine Erhöhung um drei Prozent rechtfertigen. Der VRN beharrt jedoch darauf, dass das Semesterticket auch mit den geplanten Preiserhöhungen im Preis-Leistungs-Verhältnis unschlagbar sei.

Dem steht eine Mängelliste der FSK gegenüber. Sie kritisiert unpünktliche und überfüllte Busse und Bahnen, keine behindertengerechten Haltestellen, schlechte Verbindungen zwischen Stadtteilen und Innenstadt, vor allem nach 24 Uhr, und eine fehlende Direktverbindung zwischen Neuenheimer Feld und Universitätsplatz.

Verbesserungen des Angebots hält der VRN jedoch aus Kostengründen für nicht machbar. Dabei könnten die in den letzten Jahren gesunkenen Verkaufszahlen des Semestertickets eigentlich auch ein Hinweis sein, dass mit Preis und Angebot etwas nicht stimmt. VRN-Sprecher Dietz sieht das anders: „Ein direkter Zusammenhang zwischen sinkenden Verkaufszahlen und steigenden Preisen lässt sich nicht belegen.“

 Trotzdem wünscht sich der Verkehrsverbund bei stetig steigenden Preisen auch im gleichen Maße steigende Fahrgastzahlen. Sollte der VRN weiterhin kompromisslos bleiben, droht die Fachschaftskonferenz mit einem Abbruch der Verhandlungen. In diesem Fall gäbe es ab dem Wintersemester 2009/10 kein Semesterticket mehr. Das wäre nicht nur für die Studenten ein herber Verlust, sondern auch für den VRN, der durch den Sockelbetrag allein in Heidelberg jährlich 1,4 Millionen Euro einnimmt.

Das Heidelberger Modell des Semestertickets setzt sich aus dem solidarischen Sockelbetrag von 20 Euro, inklusive 5 Euro für die Abendregelung (freie Fahrt in der Großwabe Heidelberg ab 19 Uhr), und dem Verkaufspreis von derzeit 116,30 Euro zusammen. Ähnlich sieht es in Mannheim aus. Auch dort kostet das Ticket momentan 116,30 Euro, der Sockelbeitrag liegt jedoch nur bei 15 Euro.

Die Heidelberger Regelung besteht seit 1994 und wird, immer wenn Erhöhungen geplant sind, von zähen Verhandlungen zwischen Studentenwerk und VRN begleitet. Seit dem Beschluss des Landes, die Zuschüsse zum ÖPNV zu kürzen, fallen diese Verhandlungen umso schwieriger aus. „Der VRN ist ein sehr unkooperativer Verhandlungspartner. Unter Verhandlungen stellen wir uns etwas anderes vor“, bemerkt dazu ein Vertreter der FSK.

Erstaunlich ist, dass bisher kein Engagement von Seiten der Stadt Heidelberg zu bemerken ist. Ein Zweck des Semesterticket war es, dass die 30?000 Studenten der Stadt die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen, statt mit dem eigenen Auto zu fahren. Außer der Umweltbelastung hätte dies auch fatale Auswirkungen auf die ohnehin kritische Parkplatzsituation in der Stadt. 

Wie sieht eigentlich die Situation des Semestertickets in anderen Städten aus? In Kaiserslautern, das auch zum Verbundgebiet Rhein-Neckar gehört, gibt es seit dem Wintersemester 2007/08 ein obligatorisches Semesterticket, für das jeder Student zusätzlich zum Semesterbeitrag 95 Euro zahlt. Allerdings gibt es dort auch keine allgemeinen Studiengebühren.

Kann man den Heidelberger Studenten eine weitere finanzielle Belastung von hundert Euro zumuten? Eine Lösung der Situation ist zurzeit nicht in Sicht.

von Seraphine Meya
   

Archiv Hochschule 2012 | 2011 | 2010 | 2009 | 2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004