13.11.2007
Ein Traum wird wahr: Elite!
Heidelberg erhält Exzellenz-Zuschlag in zweiter Instanz
Offiziell ist unsere Ruperto Carola jetzt exzellent: Am 19. Oktober haben Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und Wissenschaftsrat sie zur Elite-Uni gekürt. Damit erhält sie pro Jahr 29,5 Millionen Euro - aber nur für die Forschung.
Offiziell ist unsere Ruperto Carola jetzt exzellent: Am 19. Oktober haben Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und Wissenschaftsrat sie zur Elite-Uni gekürt. Damit erhält sie jährlich 29,5 Millionen Euro. Das Geld fließt allerdings nur in Forschungsprojekte.
Mit dem Zukunftskonzept „Heidelberg – Weg einer Volluniversität“ hat das Rektorat DFG und Wissenschaftsrat in der zweiten Runde davon überzeugt, das Gesamtkonzept Uni Heidelberg zu fördern. Im letzten Jahr hatte es bei der Bekanntgabe der Ergebnisse noch lange Gesichter gegeben, als die Versammelten erfuhren, dass Heidelberg nur mit einem Exzellenz-Cluster und einer Graduiertenschule an der Förderung teilhaben werde. In der prestigeträchtigsten und einträglichsten Förderlinie, dem „Zukunftskonzept“, ging die Ruperto Carola damals leer aus. Ex-Rektor Peter Hommelhoff, der damals „die volle Verantwortung“ für dieses Scheitern übernommen hatte, wollte den jetzigen Erfolg allerdings nicht als „Triumph“ feiern. Er empfinde vielmehr „eine riesige Freude, sich mit einem solchen Erfolg verabschieden zu können“.
Da die bewilligten Millionen ausschließlich in die Forschung gehen, profitieren Studenten zunächst wohl nur vom Elite-Status, wenn sie einen Platz in einer der geförderten Graduiertenschulen finden sollten. Der für Lehre zuständige Prorektor Thomas Pfeiffer zeigte sich allerdings zuversichtlich, dass die angestoßenen Forschungsprojekte auch im Lehrbetrieb für neue Impulse sorgen werden. Konkreter wurde er nicht.
Jochen Tröger, der den erfolgreichen Antrag als Prorektor maßgeblich mitgestaltet hatte, äußerte dem ruprecht gegenüber Zweifel, ob sich die Elite-Förderung auf die Lehre auswirken werde. „Ein Zeugnis der Universität Heidelberg wird allerdings in Zukunft mehr wert sein“, versicherte er.
Gegenüber dem Vorjahr habe das Rektorat den Antrag völlig überarbeitet: Es sei der Kritik von DFG und Wissenschaftsrat insbesondere darin gefolgt, im neuen Antrag genauere Verteilungsmodi für die Vergabe der Gelder zu nennen. Die Wirtschaftswissenschaften als Teil einer Volluni habe das Rektorat gestärkt: „Wir haben in diesen Bereich viel Geld gesteckt.“ Neu ist das „Marsilius-Kolleg“: Es soll Geistes- und Naturwissenschaftler miteinander verbinden, „und zwar in einzelnen herausragenden Projekten“, erklärt der ehemalige Prorektor.
Studentischer Protest regt sich in Heidelberg bislang nur am Rande. Die Feierlichkeiten in der Neuen Uni unterbrachen eine Handvoll spontan protestierender Studenten nur kurz: Mit einem Plakat mit der Aufschrift „Solidarität statt Konkurrenz“ demonstrierten sie gegen die Exzellenzinitiative. Während sie aber durch das Megaphon noch einen „Kampf um alle Köpfe, nicht nur um die besten“ forderten, wandten sich Professoren und Gäste schon wieder Small-Talk und Sekt zu. Ein Sprecher der Fachschaftskonferenz erklärt den Unmut der Studenten auch damit, dass in den letzten Jahren alle Universitäten des Landes von Kürzungen im Personalbereich betroffen waren. Jetzt werde nur einigen wenigen Universitäten dieses Geld zurückgegeben.
Die Elite-Förderung besteht aus drei Säulen: Neben der Förderung des Zukunftskonzepts mit 13,5 Millionen Euro erhalten zwei Heidelberger Exzellenzcluster jeweils 6,5 Millionen. Zusätzlich werden drei Graduiertenschulen mit jeweils einer Million gefördert. Obendrein erhält die Universität einen pauschalen Betrag von zwanzig Prozent der Fördermittel zur Deckung der mit den neuen Forschungsprojekten anfallenden Nebenkosten.
Die Geldströme versiegen 2012. Zwar habe die Universität Heidelberg laut Jochen Tröger die Nachhaltigkeit und die angestrebte Weiterführung der geförderten Forschungsprojekte im Antrag betont; auch Wissenschaftsminister Peter Frankenberg hat sich bereits für eine Anschlussfinanzierung ausgesprochen. Die Gelder müssten dann jedoch erst wieder bewilligt werden. Ein Sprecher des Wissenschaftsministers erklärte, dass das in einer neuen Elite-Runde entschieden werde.
von Beate Brehm, René Andrée