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Hochschule
14.11.2006
Wo ist die Elite? Neue Chance in der zweiten Runde Am 13. Oktober kürte der Bewilligungsausschuss Exzellenzinitiative die LMU und die TU München sowie die TU Karlsruhe zu Eliteuniversitäten. Zwar bekam Heidelberg eine Graduiertenschule und einen Exzellenzcluster zugeschlagen, ging aber in der dritten Förderlinie leer aus. Die genauen Gründe dafür sind noch unbekannt, dennoch arbeitet das Rektorat bereits an der Strategie für die zweite Runde: Mit dem Profil der „Volluniversität“ will Heidelberg punkten. Am 13. Oktober kürte der Bewilligungsausschuss Exzellenzinitiative die LMU und die TU München sowie die TU Karlsruhe zu Eliteuniversitäten. Zwar bekam Heidelberg eine Graduiertenschule und einen Exzellenzcluster zugeschlagen, ging aber in der dritten Förderlinie leer aus. Die genauen Gründe dafür sind noch unbekannt, dennoch arbeitet das Rektorat bereits an der Strategie für die zweite Runde: Mit dem Profi l der „Volluniversität“ will Heidelberg punkten. Die Enttäuschung sitzt tief. Gute zwei Stunden braucht das Rektorat, um die Niederlage zu verdauen. Sie kam sehr überraschend – nachdem schon am Vortag die Erfolgsmeldung, Heidelberg hätte im Elitewettbewerb gewonnen, in der Presse kursiert war. Dann besteigt Rektor Hommelhoff die Bühne im Foyer der Neuen Uni; der Geruch von Leberkäse liegt in der Luft.
Eine Siegesfeier hatte es werden sollen. Nach schier endlosen Danksagungen kommt er zum entscheidenden Punkt: „Für das Scheitern der Universität Heidelberg in der dritten Förderlinie übernimmt das Rektorat die volle Verantwortung.“ Auf die ausführliche Begründung für die Ablehnung des Zukunftskonzeptes „Heidelberger Weg“, der dritten Säule der Exzellenzinitiative, wartet die Univertretung noch immer. Das Konzept sah neue Personalstrukturen vor, die auch die Trennung in Lehr- und Forschungsprofessuren ermöglichten. Frauen und Familien wollte man stärker fördern. Über die genaue Verteilung der Exzellenzgelder wollte die Hochschule allerdings selbst entscheiden, was neue Verwaltungsstrukturen erfordert hätte. Dem Bewilligungsausschuss war das anscheinend zu bürokratisch und unausgegoren. Bis April 2007 hat die Universitätsleitung nun Gelegenheit, den Antrag zu überarbeiten um den Elitestempel in der zweiten Runde zu erhalten. Auffallend sind die Bekenntnisse zur Volluniversität, die Hommelhoff nun allenthalben ablegt. Forderungen, die auf die Schließung einzelner Institute abzielen, weist er mittlerweile kategorisch zurück: „Den Ritterschlag wollen wir nur als Volluniversität: Eher würde die Uni Heidelberg auf den Titel verzichten“, sagt Hommelhoff dem Magazin Karriere. Doch auch im Rektorat weiß man, dass dieser Kurs neue Konflikte erzeugen wird. Im Interview mit der RNZ gibt Hommelhoff unumwunden zu, dass Teile der Natur- und Lebenswissenschaften glaubten, „jeder Euro für die Geisteswissenschaften sei suboptimal investiert“. Das Rektorat wird nun alle Anstrengungen auf die zweite Runde konzentrieren. Der Senat ist bereits zusammengetreten und hat ein Team von „top profilern“ berufen, das für den Erfolg des zweiten Antrages sorgen soll. Das Rektorat hat angekündigt, bei der Ausgestaltung des neuen Antrages nun einen größeren Kreis von Fakultäten und Instituten einzubeziehen. Die elf Skizzen für die zweite Antragsrunde sind breiter gestreut und sollen das komplexe Profil der Ruperto Carola als Volluniversität unterstreichen. Dennoch stößt das Prinzip der Gelderverteilung nach Wettbewerbskriterien auf Widerstand. Der Germanist Professor Dieter Borchmeyer kritisiert, dass gleiche Maßstäbe für höchst unterschiedliche Disziplinen angelegt würden. „Den Geisteswissenschaften ist dieses sportliche Konkurrenzdenken fremd“, sagt er. Leistungen aus diesen Bereichen ließen sich oftmals nur schwer messen. Auch hätten viele geisteswissenschaftliche Institute nicht die freien Kapazitäten, um arbeitsaufwändige Anträge für Exzellenzcluster auszuarbeiten und zu formulieren. Tatsächlich gesteht auch Hommelhoff den Natur- und Lebenswissenschaften einen Erfahrungsvorsprung zu, der ihnen das Einbringen von Forschungsanträgen bei der Deutschen Forschungsgesellschaft (DFG) erleichtere. Auch aus diesem Grund plädiert Borchmeyer für eine gerechtere Verteilung: „Ich finde Gießkannen gut, schließlich brauchen alle Pflanzen Wasser.“ Dass es bisher keine deutschen Spitzenleistungen in der Forschung gebe, hält Borchmeyer für abwegig: „Schon jetzt werden viele deutsche Wissenschaftler, auch aus Heidelberg, von amerikanischen Eliteuniversitäten umworben.“ Für Verwirrung sorgten indes Aussagen von Dr. Wolfgang Gawrisch, der als Mitglied der „Gemeinsamen Kommission Exzellenzinitiative“ an der Entscheidung beteiligt gewesen war. Auf der Podiumsdiskussion des Spiegel-Forums sagte er, dass die Qualität der Lehre mit in die Bewertung eingeflossen sei. Hommelhoff erklärte hingegen, die Antragsvorgaben klammerten die Lehre explizit aus. Einhellige Meinung bestand jedoch darin, dass die Exzellenzinitiative zu einem Paradigmenwechsel führe, der das deutsche Hochschulsystem nachhaltig verändern wird. Genau aus diesem Grund verstummt auch die grundlegende Kritik an der Exzellenzinitiative nicht. Professor Michael Hartmann von der TU Darmstadt wies etwa darauf hin, dass bei steigenden Studierendenzahlen die Pro-Kopf-Ausgaben insgesamt verringert würden. Es werde verschwiegen, „dass das zusätzliche Geld aus der Initiative dann nur bestimmten Disziplinen zugute kommt“. So entstünden mehrere Kategorien von Hochschulen. Den wenigen Eliteuniversitäten stehe eine große Masse an Hochschulen gegenüber, die zu reinen Ausbildungsstätten degradiert werden. „Denen wird es sehr viel schlechter gehen als heute“, sagt Hartmann. |