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 Heidelberg
14.11.2006

Der echte Marstall

Heidelberger Historie

Der Marstall ist für jeden Heidelberger Studenten eine Institution. Die Mensa mit der riesigen Grünfläche ist vor allem im Sommer der Ort schlechthin, um Freunde auf ein Bier zu treffen und neue Leute kennenzulernen. Bekannt ist die Mensa den meisten unter dem Namen „Marstall“. Über dem Buffet steht „Zeughaus“.

Was ist nun richtig? Und welche Funktionen hatten diese Gebäude eigentlich früher? Was ist ein Marstall überhaupt? Direkt an der Außenmauer des heutigen Mensagebäudes wogten vor mehreren hundert Jahren noch die Fluten des Neckars. Schiffe hielten hier, um ihre Ladungen zu löschen.

Doch nicht nur Waffen und Waren fanden einen Platz: Im Erdgeschoss waren auch die Stallungen der Dragonerkompanie untergebracht. Als Teil der Wehranlage errichtet, war der Marstall zum einen Waffenkammer, zum anderen Wohngebäude für Dienstboten des Hofes und mittellose Menschen. Dort, wo sich heute das Althistorische Seminar befindet, hatte Herzog Johann Casimir einen prächtigen Renaissance-Palast errichtet, der mit dem älteren Zeughaus einen zusammenhängenden Komplex bildete, welcher ebenfalls Stallungen und Wohnräume beherbergte, und daher den Namen „Marstall“ bekam.

Doch der Stadtbrand von 1693 zerstörte den Bau und ließ das Zeughaus vollständig ausgebrannt zurück. Das Zeughaus wurde schnell wieder in Betrieb genommen, der Marstall hingegen blieb zerstört und beide Bezeichnungen wurden parallel gebraucht. An Stelle des ehemaligen Marstalls entstand eine Reitbahn und bald darauf eine Schnapsbrennerei.

Nach dem die ursprünglichen Pläne Professor von Duhns, die Archäologie im Zeughaus unterzubringen, beiseite gelegt wurden, wird 1919 mit Geldern aus Spenden, Studentenbeiträgen und Zuschüssen aus der Stadt das Zeughaus in eine Mensa und einen Fechtraum umgewandelt. Endlich ist der in der Zwischenzeit nur als Lagerraum benutzte und durch die Aufschüttung des Landestegs und der Verlagerung des Handels auf die Eisenbahn etwas nutzlos gewordene Bau ein Teil der Universität. Die Mensa kann ihren Betrieb bis tief in den Zweiten Weltkrieg aufrecht erhalten.

Nach dem Krieg als Möbellager und Übernachtungsheim genutzt, wird das Zeughaus nach dem Umzug der Sporthalle ins Neuenheimer Feld ganz zur Mensa. Und in dieser Form präsentiert sich der Marstall auch noch heute. Äh, das Zeughaus natürlich.

von Benjamin Frech
   

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