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Hochschule
27.01.2012
Leistung ungefördert Stipendienvergabe ist noch ausbaufähig Bundesbildungsministerin Schavan verkündete 2010 feierlich, der Staat solle seine 10.000 besten Studenten fördern; aber nur knapp die Hälfte der Deutschlandstipendien wurde bisher vergeben. Auch in Heidelberg lief die Vergabe der Stipendien nicht nach Plan. Das Deutschlandstipendium soll leistungsstarke Studenten aller Nationen an deutschen Hochschulen fördern. Wer dafür ausgewählt wird, dem stehen 300 Euro monatlich zur Verfügung – und das in der Regel ein Jahr lang. 150 Euro davon trägt der Bund, die andere Hälfte ein privater Geldgeber, ein Unternehmen oder eine Stiftung. Nur wenn diese Voraussetzung gegeben ist, kann der Staat ein Stipendium gewähren. Aus diesem Grund erhalten vorerst nur 5.244 von den geplanten knapp 10.000 Studenten diese Studienbeihilfe. Mittelfristig sollen sogar 160.000 Studenten in Deutschland eines dieser Stipendien bekommen. Fraglich ist, ob das Ziel nächstes Jahr erreicht werden kann. Laut der Zeit erreichte das Saarland als einziges Bundesland das 0,45-Prozent-Ziel. Selbst die Hochschulen im wirtschaftlich starken Baden-Württemberg haben im vergangenen Jahr nur 700 von 1300 Stipendien vergeben. Mehr Informationen hingegen liefert Katja Bär, Pressesprecherin der Universität Mannheim: „Jeder Hochschule steht ein Kontingent von 0,45 Prozent aller Studierenden zur Verfügung. Grundlage hierfür war die Zahl im Herbstsemester 2009. Demnach standen unserer Universität in diesem Semester 44 Stipendien zur Verfügung.“ ruprecht rechnete nach: Mit der Gesamtzahl der Heidelberger Studentena im Wintersemester 2009/10 als Grundlage, nämlich 28.266, müssten der Uni Heidelberg eigentlich 127 Stipendien zur Verfügung stehen. Mangelte es der Ruprecht-Karls-Universität etwa an Geldgebern? Die Vergabe des Deutschlandstipendiums an der Uni Mannheim lief besser als geplant: „Am Ende stand uns mehr Geld zur Verfügung, als das Kontingent der uns verfügbaren Stipendien zuließ. Darum haben wir noch 62 weitere sogenannte ‚Mannheimer Stipendien‘ vergeben“, erzählt Bär bereitwillig. „150 Euro bekommen die Mannheimer Stipendiaten monatlich von der Uni Mannheim ausgezahlt, allerdings darf hierüber anstelle von der Uni der Sponsor entscheiden, wer gefördert wird.“ Auch bei den Deutschlandstipendien haben die Förderer ein gewisses Mitspracherecht: „Zwei Drittel aller Deutschlandstipendien sind fachgebunden“, sagt Bär. „Dabei darf der Stipendiengeber benennen, aus welchen Fächern die Stipendiaten kommen müssen.“ Die Förderer der Heidelberger Stipendiaten nahmen laut Müller-Detert eine andere Gewichtung vor: 52 der 104 Stipendien waren frei, die andere Hälfte war zweckgebunden. „Schwerpunkt der zweckgebundenen Stipendien waren die Naturwissenschaften, es gab aber auch zweckgebundene Stipendien für Wirtschaftswissenschaften, Theologie oder Germanistik“, so die Pressesprecherin. Naturwissenschaften hin oder her – die Studenten, die abgelehnt wurden, waren auch unzufrieden mit der Prozedur. Marlene Kleiner bekam wie ihre 1.000 Mitbewerber ihre Absage erst kurz vor Weihnachten: „Da wusste ich schon längst, dass ich nicht mehr damit rechnen konnte, denn seit der Stipendienverleihung war schon ein Monat vergangen. Bei den einheitlichen Absageschreiben ist es ja nicht zu viel verlangt, die Absagen schon früher rauszuschicken.“ Auch Simone Mölbert wusste schon lange vor der offiziellen Absage, dass sie abgelehnt wurde: „Zwei Tage vor der Verleihung las ich eine Pressemitteilung über die Verleihung. Ich fand das einen ziemlich schlechten Stil.“ Die Prozedur scheint tatsächlich nicht planmäßig gelaufen zu sein: Aus gut informierten Kreisen erfuhr ruprecht, dass die Fächer selbst einen Teil der Stipendiaten auswählen durften und für die Auswahl des anderen Teils die Zentrale wohl zuständig war. Dabei kam es offenbar zu Koordinationsschwierigkeiten. Viel besser organisiert zu sein scheint die Uni Mannheim: Zwar lag ihr Schwerpunkt bei der Vergabe der Stipendien auf den Fächern BWL, Wirtschaftsinformatik und Jura, aber durch diesen Mix mit den Mannheimer Stipendien gelang es, Studenten aus fast allen Fachrichtungen zu fördern. Sie setzten auch bei den Auswahlkriterien andere Schwerpunkte als die Uni Heidelberg: „Wichtiger als eine 1,0 im Studium war uns die biographische Hürde. Wir wollten auch die sozial Schwachen fördern“, betont Pressesprecherin Bär. Die sozial Schwachen zu fördern, ist keine Selbstverständlichkeit. Immer wieder wird dem Deutschlandstipendium vorgeworfen, damit würden gerade die Leute aus bildungsstarken Elternhäusern gefördert und jene aus bildungsfernen Familien zu kurz kommen. Die Förderung sei nämlich nur abhängig von der Leistung, aber nicht von der Bedürftigkeit. Auch Bafög-Empfänger werden nicht mehr von einem guten Abschluss einen finanziellen Nutzen ziehen können: Früher wurde ihnen ein Viertel ihrer Schulden erlassen. Seitdem die Bundesregierung diesen Bonus gestrichen hat, lohne sich ein guter Abschluss nur noch für diejenigen, die dieses Jahr fertig werden. Simone Mölbert sieht diese Gesetzes-Änderung nicht so dramatisch: „Angesichts der 10.000-Euro-Schuldengrenze konnte wohl kaum einer der Bafög-Empfänger diesen Schuldenerlass nutzen.“ |