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 Wissenschaft
29.05.2011

Werte sind ausschlaggebend

Heidelberger Studie zeigt, warum Männer gewaltbereiter sind als Frauen

Der Kriminologe Dieter Hermann hat eine Studie über die Unterschiede der Geschlechter bei Gewaltkriminalität durchgeführt: Da Frauen im Gegensatz zu Männern eher ihren Wertvorstellungen folgen, seien sie weniger gewaltbereit. 

„Frauen lehnen Gewalt meist ab, weil sie eher idealistischen Maßstäben folgen“, so lautet das Ergebnis einer Untersuchung über Geschlechterunterschiede in Gewaltkriminalität. Diese fand 2009 unter der Leitung von Dieter Hermann am Institut für Kriminologie der Universität statt. Gewaltbereitschaft und -kriminalität sind der Untersuchung zufolge viel mehr in der Geschlechterrolle als in der Geschlechterzugehörigkeit verankert.

Die Tatsache, dass Frauen weniger dazu neigen, Gewalt auszuüben, ist bereits wissenschaftlich erwiesen. Den Heidelberger Kriminologen interessierte vielmehr, warum es solche geschlechtsspezifischen Unterschiede gibt. Zu diesem Thema ließ er deshalb vor zwei Jahren 1600 zufällig ausgewählte Männer und Frauen aus Heidelberg im Alter von 14 bis 70 Jahren befragen.

Bereits 1998 hatte Hermann eine ähnliche Studie zum Thema „Geschlechterunterschiede und Akzeptanz von Gewalt“ durchgeführt. „Damals lag der Schwerpunkt noch auf der Frage, inwieweit die Faktoren Delinquenz, Werteorientierung und Normakzeptanz zusammenhängen“, so der Kriminologe. „Ziel der letzten Untersuchung hingegen war es herauszufinden, welche Vermittlungsmechanismen zwischen Biologie und Verhalten erkennbar sind.“

Das Ergebnis der aktuellen Studie zeigt, dass die Tendenz zu Gewalt weniger in der biologischen Ausstattung verankert ist als in der sozialen Rolle von Männern und Frauen. Daran seien auch die Wertvorstellungen gekoppelt, die Frauen wichtiger sind als Männern.

Der Heidelberger Wissenschaftler unterscheidet zwischen vier unterschiedlichen Wertekategorien: „Die religiösen Maßstäbe gelten als Werte erster Ordnung, wovon sich die Maßstäbe im idealistischen, im hedonistisch-materialistischen und posttraditionalen Bereich ableiten. Wer idealistisch veranlagt ist, verhält sich beispielsweise besonders umweltbewusst. Hedonistische und materialistische Maßstäbe stellen unter anderem das Streben nach einem vergnügungsreichen Leben dar. Von posttraditionalen Werten leiten sich meist Charakterzüge wie Fleiß und Ehrgeiz ab.“

Die religiösen Werte – unabhängig davon, um welchen Glauben es sich handelt – würden einem Menschen in frühester Kindheit vermittelt. „Deshalb sind sie Werte erster Ordnung,“ so Hermann. Erst später beginne der Mensch, auch andere Wertekategorien in Betracht zu ziehen.

Laut Befragungsergebnissen präferieren Frauen vor allem aber die idealistischen Wertvorstellungen eher als Männer. „Menschen, die diese ernst nehmen, akzeptieren darum auch Gewalt verbietende Rechtsnormen und lehnen aus diesem Grund Gewalt eher ab als solche, für die Wertvorstellungen weniger Bedeutung haben“, schließt der Kriminologe.

Zur ersten Gruppe gehörten meist Frauen und zur zweiten eher Männer. Dabei unterscheidet Hermann zwischen zwei Arten der Gewalt: „Männer tendieren stärker dazu, ihre Aggressionen gegen andere einzusetzen. Frauen hingegen richten diese gegen sich selbst, und zwar durch selbstverletzendes Verhalten wie etwa das ‚Ritzen‘.“

von Corinna Lenz
   

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