ruprecht-Logo Banner
ruprecht auf Facebook
Der aktuelle ruprecht
ruprecht vor 10 Jahren
Andere Studizeitungen
ruprechts Liste von Studierendenzeitungen im deutschsprachigen Raum
ruprecht-RSS
ruprecht-Nachrichten per RSS-Feed
 Wissenschaft
27.06.2011

Versöhnung nicht ausgeschlossen

Heidelberger Studie weckt Hoffnung auf friedliche Konfliktlösungen

Friedenstaube

Foto: Dieter Schütz / pixelio.de

Auch im Krieg gibt es gute Nachrichten. Das zeigen Heidelberger Wissenschaftler. Mit einer Studie haben sie die Wirksamkeit von friedenspädagogischen Projekten in Krisenregionen untersucht. Das Ergebnis weckt Hoffnungen: Friedensbildung macht einen Unterschied.

Theaterspielen in Afghanistan, Friedensseminare in Israel und Menschenrechtserziehung im Sudan – es gibt viele Projekte, mit denen Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen versuchen, den friedlichen Austausch zwischen Konfliktgruppen zu fördern. Jedes Jahr fließen Millionen von Geldern in sogenannte friedenspädagogische Programme. Die Theorie dahinter lautet: Man kann Menschen zum Frieden erziehen.

„Um menschliche Interaktion friedlicher zu machen, müssen wir in unseren Köpfen etwas ändern“, erklärt Alamara Karimi, Dozentin am Heidelberger Institut für Bildungswissenschaft (IBW). Dort beschäftigt sie sich seit einigen Jahren mit möglichen Maßnahmen zur Förderung eines friedlichen Miteinanders in Konflikt- und Krisenregionen. „Man muss an den Punkt gelangen, dass man sagt: Ich definiere den anderen zwar als Feind, doch wir haben die gleichen Bedürfnisse.“

Wissenschaftler des IBW haben unter der Leitung von Volker Lenhart mit einer Studie genauer untersucht, was in den Köpfen von Menschen in Konfliktländern vorgeht. Denn damit, ob die Theorie der Friedenspädagogik in der Praxis aufgeht, haben sich bisher nur wenige beschäftigt. Doch die von der Deutschen Stiftung Friedensforschung geförderte Studie belegt: Teilnehmer friedenspädagogischer Programme zeigen eine deutlich höhere Bereitschaft zur friedlichen Konfliktlösung als Personen, die nicht an solchen Projekten teilgenommen haben.

Über einen Forschungszeitraum von 18 Monaten hat das fünfköpfige Team rund 1600 Personen zwischen zehn und 77 Jahren in Afghanistan, Bosnien-Herzegowina, Israel/Paläs-tina, Kolumbien, Nordirland, Sri Lanka und dem Sudan befragt. In dem fünfseitigen Fragebogen gaben diese unter anderem Auskunft darüber, ob die Verpflichtung zu Gewaltlosigkeit ein Zeichen von Schwäche sei oder ob Friedensverhandlungen so lange andauern sollten, bis eine Lösung erzielt werde. Das Ergebnis der Befragung war eindeutig: „Friedenspädagogik ist nicht umsonst“, freut sich Karimi über den signifikanten Einstellungsunterschied, der sich zwischen den Experimental- und Kontrollgruppen feststellen ließ.

Dabei zeigte sich ferner, dass Frauen zwar skeptischer gegenüber ihrer jeweiligen Konfliktgruppe seien, sie jedoch eher zu einer friedlichen Konfliktlösung tendierten als Männer. Auch das Alter spiele eine Rolle. Gerade ältere Männer hätten eine wesentlich negativere Einstellung zu feindlichen Gruppen als jüngere. Zudem ergibt die Studie, dass ein großzügiges Budget kein Garant für erfolgreiche Friedensarbeit sei. Auch kleinere Projekte können positive Resultate hervorbringen.

Ein Ergebnis überrascht hingegen besonders: „Wir haben mit einem Zusammenhang zwischen Bildungsniveau und Friedfertigkeit gerechnet“, so Karimi. Dieser konnte in der Mehrheit der Länder jedoch nicht festgestellt werden. Die Ausnahme macht Israel/Palästina. Hier wurde entgegen der Erwartungen ein negativer Zusammenhang ermittelt. „Je gebildeter die Menschen waren, desto weniger tendierten sie dazu, Konflikte friedfertig zu lösen.“

Mit den Ergebnissen der Studie müsse man jedoch behutsam umgehen und sie vorsichtig interpretieren, betont Karimi. Zwar habe man nach Zusammenhängen zwischen der Teilnahme von friedenspädagogischen Projekten und den Einstellungen von Personen in Konfliktländern gesucht. Kausale Zusammenhänge waren jedoch aufgrund der Methodik nicht Forschungsgegenstand der Studie. Um genauer herauszufinden, weshalb die Teilnehmer der untersuchten Programme friedfertiger sind, müssten weitere Forschungen angestellt werden.

von Annika Kasties
   

Archiv Wissenschaft 2012 | 2011 | 2010 | 2009 | 2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004