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02.03.2010:
Der Würfel zum Glück - Teil 10 Magdalena Koženás Gespür für die Schönheit des Barock
Von Händel, der es allein in diesem Genre auf die beachtliche Zahl von mehr als vierzig Kompositionen bringt, hielten sich nur eine Handvoll Opern auf den Spielplänen der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. Denn lange galten barocke Opern als distanziert, gekünstelt und ziemlich unterühlt. Das lag zum einem an der musikalischen und formalen Strenge: unerbittlich folgt Rezitativ auf Arie auf Rezitativ, nur selten wird der Aufbau von Duetten oder Chören unterbrochen. Noch dazu ist die barocke Arie sets im "da-capo"-Schema komponiert, bei dem das Hauptthema des Stücks in vier Strophen wiederholt wird, lediglich in der Mitte von einem Zwischenteil unterbrochen. Und als sei das alles noch nicht schlimm genug, erlauben die Sujets barocker Opern, häufig antike Stoffe, den Regisseuren wenig opernhaft schäumenden Pomp. Die Einsicht, dass die barocke Oper keine Zumutung an Langeweile für das vergnügungssüchtige Publikum sein muss, erreichte europäische Bühnen erst in den neunziger Jahren. Da hatte die historische Auffühurungspraxis die barocken Instrumente, deren Stimmungen und Spielweisen erforscht und dabei zu spannungsreichen, kompromisslos pulsierenden Interpretationen gefunden. Zeitgleich betraten Stars wie Countertenor Andreas Scholl die Opernbühnen, so dass die männlichen Altstimmen - zu Händels Zeiten von Kastraten gesungen - nicht mehr mit Frauen besetzt werden mussten. Leidenschaftliche Inszenierungen ließen denn auch nicht mehr lange auf sich warten: ausstaffiert mit poppigen Bühnenbildern, knallbunten Kostümen und Plastikrequisiten bot die Barockoper urplötzlich eine Glamourwelt, neben der Mozart und Verdi verstaubt und spießig aussahen. So ändern sich die Zeiten. Unerhört! Eines von Händels bekanntesten Werken ist der Choral "Tochter Zion", der in ganz Europa als Weihnachtslied Karriere gemacht hat. Ursprünglich handelt es sich dabei um einen Oernchor "aus Judas Maccabäus", wie katholische und evangelische Gesangbücher gleichermaßen fleißig erklären. Dabei hat Händel dieses Stück für Judas Maccabäus auch nur recycelt und zuvor schon in der Oper "Joshua" verwendet, der allerdings weitaus weniger Erfolg beschert war als "Judas Maccabäus". Muss man das kennen? Nein. Wer Lust auf mehr Klassik-Klassiker hat, kann beim ruprecht virtuell mithören: Auf www.ruprecht.de schreiben wir jede Woche über eine CD aus der Jubiläumsedition der Deutschen Grammophon, und klopfen dabei den Kanon der klassischen Musik nach Ohrwürmern, Unerhörtem, Eingestaubtem und Entdeckenswertem ab. Natürlich völlig subjektiv, in manchen Fällen sogar schonungslos.... |