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Versteckt, verkleidet, verheiratet
Doppelhochzeit auf Umwegen: Graf (Ipča Ramanović) und Gräfin (Irina Simmes) trauen die beiden Brautpaare. Fotos: Annemone Taake.

Versteckt, verkleidet, verheiratet

Zu Beginn ein Klassiker: Heidelbergs neuer Generalmusikdirektor Elias Grandy gab am Freitag sein Debüt mit Mozarts Oper „Le nozze di figaro“.

Der mit Spannung erwartete Einstand in die neue Spielzeit glückte: Die rundum gelungene Inszenierung überzeugte durch ihre natürliche humorvolle Note und die gelungene Adaption der Handlung. Unter der Regie von Nadja Loschky verwandelte sich das Schloss des Grafen in eine holzvertäfelte Parteizentrale, Graf Almaviva (Ipča Ramanović) kam als stets auf seine Außendarstellung bedachter Politiker daher.

In gut zwanzigfacher Ausführung zieren Wahlplakate mit Almavivas Konterfei die Parteizentrale. Die Haare rot gefärbt und in rotem Anzug blickt er selbstbewusst dem Publikum entgegen. Auf Wahlversprechen gibt er jedoch kaum mehr, als man es der heutigen Generation nachsagt. Für „Progresso“ (Fortschritt) werbend konterkariert er seine eigene Darstellung und umwirbt seine Angestellte Susanna (Rinnat Moriah), sich auf das Recht der ersten Nacht berufend. Susannas Verlobter Figaro (James Homann) ist davon ebenso wenig begeistert wie die von Irina Simmes verkörperte Gräfin. Die Folge sind Intrigen, Versteckspiele und Verkleidungen, bevor sich am Ende doch alles zum Guten wendet.

Zweifellos wirft die Adaption die Frage auf, inwieweit sich die in der Vorlage vorherrschenden Standesschranken auf ein hierarchisches Angestelltenverhältnis übertragen lassen. Diese leichte Schieflage wirft Loschkys Inszenierung aber nicht aus der Bahn, da sie die Figuren weitgehend in ihren traditionellen Rollen belässt und die Szenerie lediglich in das Schaufenster der Parteizentrale hineinsetzt. Auch der durchgehende Rotstich der Kostümierung trägt dazu bei, die Welt des Politikers als eine künstlich geschaffene anzusehen und diese kleinen Unstimmigkeiten als obligatorische Folgen der Modernisierung zu betrachten.

Mozarts Musik ist bereits reich an Witz und Humor, bedenkt man allein die erste Arie, die Figaro bei der Vermessung seines zukünftigen Zimmers im Schloss zeigt. Loschkys Inszenierung poliert den von der Musik getragenen subtilen Humor an einigen Stellen gezielt und wirkungsvoll auf. So versucht der Graf mithilfe von Bohrmaschine und Gehörschutz das Schloss zu Susannas Versteck zu knacken. Der Hochzeitstanz, als bewusst steif choreografierte Mischung aus Menuett und Ententanz, integriert sich ebenfalls hervorragend in Loschkys Kunstwelt und erfüllt als humoristisches Element zudem ganz seinen Zweck.

Grandys energisches und präzises Dirigat legte den Grundstein für die heitere Inszenierung. Aus der durchgehend guten Ensembleleistung tat sich Irina Simmes‘ Gesangsdarbietung als Gräfin Almaviva besonders hervor. Auch Countertenor Kangmin Justin Kim in der Rolle des von den Frauen begehrten Cherubino überzeugte und wurde vom begeisterten Publikum mit einem Extra-Applaus bedacht.

von Jesper Klein

Nach einem Gastspiel in der Schweiz ist „Le nozze di Figaro“ ab dem 11. Oktober wieder in Heidelberg zu sehen.

 

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