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Reden über Macht

Zum diesjährigen Jubiläum kamen wieder viele hochkarätige Gäste zum Heidelberger Symposium

Menschen

Zuhörer beim Anarchie-Kolloquium. Foto: Philipp Fischer

Wer sich in den letzten Wochen in Heidelberg aufgehalten hat, dem kann es kaum entgangen sein: Von Plakaten über Flyer bis hin zu Studenten, die vor den Mensen der Universität kostenlos Waffeln verteilten und dabei für ihr Projekt warben, das 25. Heidelberger Symposium war bereits vor Beginn allgegenwärtig in der Stadt.

Vom 2. bis 4. Mai nahmen über tausend Besucher an Vorträgen, Kolloquien und Diskussionen renommierter Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Kultur teil. Allen gemeinsam war der Bezug zum diesjährigen Thema „Übermacht“.

So hielt der FDP-Bundestagsabgeordnete Frank Schäffler einen Vortrag mit dem Schwerpunkt „Soziale Marktwirtschaft – Machtwirtschaft“. In der gut gefüllten Neuen Aula wirft er dem europäischen Parlament Regulierungswut vor. Man mache aus Freunden Schuldner und Gläubiger, und sei hierbei hauptsächlich an Machtkonzentration interessiert. Er fordert mehr Dezentralismus, eine liberalere Wirtschaftspolitik und äußert sich in diesem Zusammenhang gegen den Euro als gemeinsame Währung. Die kontroversen Aussagen des Politikers stehen für das breite Spektrum an Meinungen, die im Rahmen des Symposiums zum Ausdruck kommen. Man denke nur an den zweiten Schirmherren Jean-Claude Juncker, der den Euro in seinem Grußwort als „unseren gemeinsamen Rettungsanker in dieser Polykrise“ bezeichnet. Die Rede Schäfflers führte zu gemischten Reaktionen aus dem Publikum. So traf die Frage nach dem Mut der Parteien, die angesprochenen Probleme tatsächlich anzugehen, auf spontanen Beifall.

Auch nach der Veranstaltung nahm der Politiker sich noch Zeit für persönliche Gespräche mit interessierten Zuhörern. Das ist ein besonderer Aspekt des Symposiums: Die Teilnehmer beteiligen sich nicht nur aktiv durch Wortmeldungen während der Vorträge, selbst beim Verlassen des Raumes sind einige mit Referenten in Diskussionen vertieft.

Originell selbst nach 25 Jahren

Die 25-jährige Tradition wurde dieses Jahr erstmals durch einen Poetry Slam erweitert. Die Tatsache, dass bereits fünf Minuten nach Einlass alle Sitzplätze im Kulturhaus Karlstorbahnhof belegt waren, spricht für sich. Bedauerlich war nur, dass die Kapazitäten der Räumlichkeiten, wie auch in anderen Fällen, dem Besucherandrang nicht gewachsen waren. Wer es jedoch schaffte, einen Platz zu ergattern, der erlebte originelle Beiträge der zwölf Teilnehmer, die in einer Art Dichterwettbewerb die „Macht des Wortes“ verdeutlichten. Die deutschsprachige Band „l‘ami die Liedermacher“ eröffnete den Abend für die Slammer. Ob ernst oder lustig, für jeden Geschmack war etwas dabei: Während ein Teilnehmer die Fremdbestimmung in unserer Gesellschaft anprangerte, indem er die Zuschauer zum Mitsprechen bewegte, las der Gewinner aus seinem bereits veröffentlichten Buch einen Text über die Tücke von Hausarbeiten vor. Belohnt wurden Künstler wie Veranstalter mit begeistertem Zehn-Punkte-Applaus.

Ob wissenschaftliche Vorträge, emotionale Diskussionen oder eine Abschlussrede des Theaterintendanten Holger Schultze, bei der Schauspieler aus Heidelberg Szenen über Macht lasen: Die einzelnen Programmpunkte unterschieden sich zum einen in ihrer Form, zum anderen beleuchteten sie alle denkbaren Facetten von Macht und ließen Raum für eigene Interpretation.

Entsprechend heterogen ist jedes Jahr das Publikum: Einige kommen wegen bestimmter Veranstaltungen, andere werden durch die aufwendige Werbung oder die im Eintrittspreis inbegriffenen Speisen und Getränken angelockt; Studenten aus dem Neuenheimer Feld sind ebenso vertreten wie diejenigen, die jeden Tag an dem großen Symposiumszelt vorbei zur Universität gehen. Genauso trifft man auf Berufstätige, die eigens für die drei Tage anreisen. Die Besucher setzen sich aus allen Altersgruppen zusammen, vom Zweitsemester bis zu Friedrich Bösherz, der seit 1993 anlässlich des Symposiums nach Heidelberg kommt – dieses Jahr zum 20. Mal. Seine langjährige Treue erklärt er wie folgt: „Begonnen hat es 1993 mit dem Symposium zum Thema ‚Falsch programmiert‘. Ich war von der Qualität der Beiträge beeindruckt. Aber am meisten beeindruckte mich das Engagement der Studenten, nicht nur der Organisatoren, sondern auch der Helfer, die an den Symposiumstagen mit Selbstverständlichkeit bedient und geholfen haben. Junge Menschen, die mit Projektmanagement kaum Erfahrung haben, haben ein Team gebildet, ein Ziel definiert und sind dann den steinigen Weg, dieses Ziel an den Tagen des Symposiums zu erreichen, gegangen. In unserer heutigen Zeit ist es außergewöhnlich, so etwas mitzuerleben.“

von Janina Schuhmacher

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